Astronaut

Oct 25, 2009

My Neighbours are Strange...

by Linda Bög — last modified Oct 25, 2009 01:20 PM

Der Nachbar bewohnt die Wohnung in dem Haus gegenüber, die genau auf unserer Höhe liegt. Unser Küchenfenster und sein Schlafzimmerfenster. Vis á vis.

Der Nachbar bewohnt die Wohnung in dem Haus gegenüber, die genau auf unserer Höhe liegt. Unser Küchenfenster und sein Schlafzimmerfenster. Vis á vis.

Unser Nachbar ist Astronaut. Oder Industrietaucher. Er ist immer eine Weile nicht da, und dann sieht man ihn wieder jeden Tag. Der geht bestimmt auf Montage. Oder eben auf dem Mond. Der Kanarienvogel wollte eigentlich ein Skript schreiben zum Abgleich von Datenbanken. Wir wollten überprüfen ob die Abwesenheitszeiten unseres Nachbarn mit den Zeiträumen der bekannten Raummissionen überein stimmen. Wenn er allerdings für geheime Militärprojekte fliegt, dann muss schon ein größerer Systemangriff her, um die Zeiträume zu vergleichen.

Leider hat der Kanarienvogel immer so viel anderes zu tun. Er muss Outlook-Probleme von Kunden fixen und Mailadressen einrichten. Da bleibt keine Zeit für einen Angriff auf die NASA oder die ESA.

Unser Nachbar hat auf alle Fälle einen Job, bei dem man eine ganz schwere, dicke und unbewegliche Montur tragen muss.

Nur so lässt es sich erklären, warum unser Nachbar dann zu Hause immer völlig unbekleidet beschwingt durch die Wohnung hüpft. Seine Haut hat sicherlich Luftentzug. Das kann zu Erstickung führen, wie wir spätestens seit den Sorgen um Shirley Eaton wissen, die sich für den Bond-Film Goldfinger von oben bis unten mit Blattgold bekleben lies.

Wahrscheinlich muss er auch einiges an Bewegung nachholen bzw. seine Muskeln wieder aufbauen. Man erinnere sich nur an die Langzeit-Astronauten, die nach ihrer Rückkehr auf die Erde ganz schwach sind und getragen werden müssen, weil sie nach dem langen Aufenthalt in der Schwerelosigkeit nicht mehr genügend Muskeln haben um sich auf der Erde selbstständig zu bewegen. Nachdem sich unser Nachbar also nach seinen All-Missionen im Spezialzentrum wieder erholt hat und nach Hause darf, ist er so froh über seine Bewegungsfreiheit dass er uns seinen nackten Körper gerne auch mal mit Bodybuilder-Posen präsentiert. Vor allem die Mitte seines Körpers bewegt er dabei sehr... beschwingt.

Es ist schön wenn man in der anonymen Mittelgroßstadt eine Beziehung zu seinen Nachbarn aufbaut. Man fühlt sich gleich aufgehoben wenn alle gegenseitig aufeinander aufpassen. Es kann mir nicht passieren dass ich mich morgens beim Kaffeetrinken am Küchenfenster vertrödele. Nach wenigen Minuten kommt unser Nachbar ans Fenster und zeigt mir wie froh er ist, endlich von seinem Raumanzug befreit zu sein.