SPIEGEL

Mar 20, 2010

Kostenlose Nachrichten im Netz

by Linda Bög — last modified Mar 20, 2010 05:50 PM

Offener Brief an die Spiegel Online-Redaktion bzgl. der PaidContent-Debatte

Sehr geehrter Herr Ditz,

die allerbesten Grüße aus Augsburg senden Ihnen Linda Bög und Der Kanarienvogel (Namen von der Redaktion geändert). Wir sind beide beruflich jeden Tag im Internet unterwegs und so ist es nur logisch und natürlich, sich online auch über Nachrichten und Neuigkeiten zu informieren. Das ist praktisch, zeitsparend und sehr komfortabel. Spiegel Online gehört daher fest zu unserem Tagesablauf.

Mit Interesse verfolgen wir die gegenwärtige Diskussion um die Gebührenpflicht bzw. -notwendigkeit für Nachrichtenseiten im Internet und fühlen uns selbst nicht wirklich wohl dabei. Wir wissen, dass Ihr Online-Nachrichtenangebot vor allem durch Werbeanzeigen verschiedenster Art finanziert wird. Diese werden vom Anzeigenkunden entweder pro 1000 Einblendungen oder pro Klick auf den Werbebanner bzw. pro Konversion bezahlt.

Als einigermaßen affine Internetnutzer und –macher surfen wir beide mit dem Mozilla Firefox-Browser im Netz, der es uns nach der (sehr einfachen und schnellen) Installation des AdBlock Plus, einem Plug-In für den Firefox, ermöglicht, alle Werbeanzeigen auf allen Webseiten auszublenden. Das bedeutet wir sehen keine Werbung auf Spiegel Online und werden auch nie auf die für uns unsichtbaren Anzeigen klicken. Die Folge: Spiegel verdient mit uns kein Geld.

Doch da wir das Angebot täglich nutzen und selbst auch gern und gut für unsere eigene Arbeit bezahlt werden möchten, finden wir es nur fair, Ihnen diese Diskrepanz zwischen Nutzung und Bezahlung unsererseits mitzuteilen. Da Spiegel Online, nach unserem Kenntnisstand, kein Mitglied bei freiwilligen Bezahl-Communities wie Kachingle ist und wir auch audrücklich nicht absichtlich Werbebanner anklicken wollen, haben wir uns gefragt, wie wir fairerweise das Onlineangebot von Spiegel nutzen und gleichzeitig mit gutem Gewissen schlafen können.

Eine Möglichkeit, über die wir nachgedacht haben, wäre, den Spiegel als Printausgabe zu abonnieren und somit monatlich einen Betrag an den Verlag zu überweisen. Doch da wir die Printausgabe aus Zeitmangel nicht lesen könnten wäre ein Abonnement kein besonders umweltfreundlicher Weg, das Gewissen gegenüber der Spiegel-Redaktion zu beruhigen.

Deshalb haben wir uns gefragt, was Sie wohl davon hielten, wenn wir Ihnen monatlich einen Betrag, etwa in Höhe des Abo-Preises, überwiesen?

 

Wir freuen uns auf Ihre Antwort und verbleiben mit den freundlichsten Grüßen,

Linda Bög & Der Kanarienvogel